Mädchenbildung in der Ära Althoff

Ein Schritt zur Gleichberechtigung

Höhere Mädchenbildung in der Ära Althoff

 

Im Kaiserreich besuchen mehr als 90 Prozent der Mädchen Elementar- oder Volksschulen.

Nur in den Städten gibt es für die Töchter der zumeist gehobenen Schichten kostenpflichtige höhere

Töchter- oder Mädchenschulen . Sie vermitteln eine geschlechtsspezifische Allgemeinbildung zu der auch Fremdsprachen gehören und bereiten die Mädchen auf ihre künftige Rolle als Ehefrau, Mutter und Hausfrau vor. Ein Gymnasium können nur die Jungen absolvieren. Da die Inhalte der höheren Mädchenschulen nicht den Gymnasien entsprechen und auch eine „Oberstufe“ nicht vorhanden ist, können Mädchen keine Reifeprüfung ablegen, somit fehlt ihnen die Voraussetzung für ein Studium.

 

Ein zentrales Anliegen der Frauenbewegung dieser Zeit ist deshalb die verbesserte Schulbildung für Mädchen und die Öffnung der Hochschulen für Frauen. Trotz aller Hindernisse erhalten vereinzelt Frauen den Zugang zur Universität- meistens haben sie den Status einer Gasthörerin und oft müssen sie für das Studium das Land verlassen.

In zahlreichen Petitionen fordern Frauenrechtlerinnen, engagierte Eltern und Lehrerinnen den Staat auf, endlich zu handeln und eine Reform des Mädchenschulwesens auf den Weg zubringen.

Ein erster Erfolg: In Berlin führt Helene Lange – sie ist Lehrerin und engagiert sich maßgeblich für Frauenbildung –seit 1893 erste Gymnasialkurse durch, die Frauen auf das Abitur vorbereiten.

 

“Der heimliche Kultusminister“, Friedrich Althoff, hat bereits in den 1890er Jahren ausländischen Frauen in Göttingen den Weg geebnet, um in Deutschland zu promovieren. Allerdings sind seine Motive nicht ganz eindeutig. Auf oberste Weisung – die Kaiserin war involviert- wird er mit der Vorbereitung und Leitung der Mädchenschulkonferenz 1906 beauftragt. Eingeladen sind zu fast gleichen Teilen Fachfrauen und –männer. Dies ist sehr ungewöhnlich! Er vermittelt einerseits geschickt zwischen den Parteien, verärgert die Lehrerinnen mit dem Vorschlag einer längeren Schulzeit für Mädchen und schlägt überraschenderweise vor, dass künftig Direktorinnen zur Norm werden sollen. Diese Idee lässt sich allerdings nicht umsetzen, als endlich der Durchbruch zur Reform des höheren Mädchenschulwesens im Jahr 1908 gelingt. Die preußische Mädchenschulreform regelt u.a. die staatliche Hochschulzulassung für Frauen und wird schrittweise auf ganz Deutschland ausgeweitet.

Zitat aus den Lebenserinnerungen von Helene Lange:

"Der Vorsitzende war Althoff, der allmächtige Ministerialdirektor des höheren Bildungswesens, eine der markantesten Persönlichkeiten, die je durch ein preußisches Ministerium gegangen sind. Wieweit die Frage, die uns Lebensaufgabe war, ihn innerlich wirklich berührte, war schwer zu sagen bei der Maske ironischer Souveränität, mit der er die Leitung handhabte."