Enten, Pony und Latein.

Eine Kindheit in Dinslaken

Friedrich Althoff wurde 1839 als jüngstes Kind in eine kinderreiche Familie geboren; seine älteste Schwester ist Jahrgang 1815. Insgesamt gab es zehn Geschwister aus der ersten und sechs aus der zweiten Ehe des Vaters

Seine Mutter Julia von Buggenhagen entstammte dem pommerschen Adel und wuchs in Kleve auf. Ihre Vorfahren waren preußische Minister und hohe Verwaltungsbeamte. Das Dinslakener Kastell gehörte seit zwei Generationen der Familie. Der Vater Althoffs heiratete in zweiter Ehe Julia von Buggenhagen. Er stammte aus einer westfälischen Beamten- und Pastorenfamilie. In Dinslaken besaß die Familie das Gut Bärenkamp.

Fritz, so sein Rufname, wuchs mit den Nachbarskindern auf. Er unterschied sich von ihnen hinsichtlich Erziehung und Bildung und verlebte dennoch eine unbeschwerte Kindheit. Mit seinen Spielkameraden und seinem Pony trieb er allerlei Unfug in der Umgebung des Kastells. Geprägt wurde Fritz vom großzügigen Lebensstil der Eltern und der religiösen Toleranz des Niederrheins. Später äußerte er sich dazu: „Die Juden wurden allgemein geduzt. Es gab viele in Dinslaken, des Viehhandels wegen. Sie kamen oft auf unseren Hof und mein Vater kam gut mit ihnen aus. Nie habe ich ein intolerantes, noch viel weniger ein verächtliches Wort über andersgläubige von den Eltern gehört. Mein Mutter hatte etwas Hinneigung zum Katholizismus.“

Bild zeigt das Kastell Dinslaken um 1900Zur Jugendzeit Althoffs gab es in Dinslaken zwei evangelische und ein katholisches Schulhaus. Etwa 160 Kinder gingen um 1850 auf die drei Schulen. Fritz besuchte die Volksschule an der Gartenstraße. Die Eltern legten Wert darauf, dass er früh Latein und Griechisch lernte.

In seiner Freizeit beobachtete er gern Handwerker und lernte im Betrieb des Buchbinders Louis Voß (Haus Nummer 52 in Dinslaken) Bücher zu binden.

Außer religiöser Toleranz prägte ihn die Liebe zur Natur. Die Ferien während seiner Zeit in Elsaß-Lothringen verbrachte er meist im Renchtal (Schwarzwald), wo er sich mit Hühner- und Entenzucht und der Baumpflege beschäftigte: „... er genoss das ihm von Jugend auf vertraute Landleben in vollen Zügen“.

Im Alter erinnerte er sich an seine Schulzeit, als er 1905 einem Freund schrieb: „Die Dorfschule hat mich ganz besonders erfreut, weil ich sie nach meinen Erinnerungen, wenn auch nicht ganz so schön, so doch inhaltlich fast ganz übereinstimmend hätte schreiben können. Aber die Sache hat auch ihre Schattenseiten, und wäre ich statt Dorfkind Stadtkind gewesen, so stände es vielleicht besser um die Autonomie unserer Universitäten.“

Bild Friedrich Althoff als JungeIm September 1851 mit 12 Jahren wurde Fritz in die Tertia des Gymnasiums Wesel aufgenommen. Wie allgemein üblich lebte er bei einem Lehrer in Pension. Am Wochenende marschierte er von Wesel nach Hause, montags früh kehrte er zurück.

Im September 1852 starb sein Vater. Dessen letztes Wort an die Mutter war: „Halte deine Hand über den Jungen.“ Die Mutter verkaufte den Besitz in Dinslaken, zog nach Wesel und nahm Fritz zu sich.

Mit 17 ½ Jahren legte Fritz als Bester und Jüngster seines Jahrgangs sein Abitur in Wesel ab. Die damals übliche öffentliche Abschiedsrede hielt Althoff in Latein. Das Abiturzeugnis attestierte ihm:

„Er zeigte stets ein erregbares Ehrgefühl und achtenswerten Gerechtigkeitssinn. Dabei ist er ebenso sehr durch seine Gutmütigkeit, als durch große Lebhaftigkeit Versuchungen ausgesetzt, vor deren Gefahren wir ihn väterlich warnen. Manches hat er, weil es ihm leicht wurde, allzu leicht genommen.“

Die Dinslakener vergessen Althoff nicht. Es gibt Briefkontakte mit den einstigen Jugendfreunden. Eine Straße nahe der Dinslakener Burg wird 1907 durch die Stadtverordnetenversammlung in Althoff-Straße benannt.

Am 29.10.1908 teilt Bürgermeister Leue den Dinslakener Stadtverordneten das Ableben des Wirklichen Geheimen Rats Friedrich Althoff mit.

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